Deutsche Kriegsschiffe mit Tradition

1903 wird Seiner Majestät Kanonenboot ILTIS von Kaiser Wilhelm II. mit dem preußischen Tapferkeitsorden Pour le Mérite ausgezeichnet. Wohlbemerkt das Boot und nicht die Besatzung. So wurde mit mehreren Deutschen Kriegsschiffen verfahren.
Ein Blick auf die Geschichte der Deutschen Kriegsschiffe seit ihrer Gründung im Jahre 1848 bis in unsere Tage macht mehr als deutlich, in welchem Maße deutsche Seestreitkräfte von Veränderungen, Brüchen, Zusammenbrüchen, zähem Wiederaufbauwillen und großer Leistungsfähigkeit geprägt worden sind. In diesem Zusammenhang sind Namensgebungen von Schiffen ein nicht unwesentliches Indiz für gewollte historische Kontinuitäten oder deren Gegenteil, da mit dem gewählten Namen meist ein politischer Wille zum Ausdruck gebracht werden soll.

Besonders deutlich wird dies, wenn Namen bekannter Deutscher Kriegsschiffe an Nachfolgeschiffe weitergegeben werden – auch dann, wenn sich politische Gegebenheiten über die Zeitläufte deutlich geändert haben. Für derartige Namenskontinuitäten gibt es in der deutschen Marine viele Kandidaten; herausragend sind jedoch drei Einheiten, die für ihre Leistungen beziehungsweise die ihrer Besatzungen mit einem Orden ausgezeichnet wurden und diese Auszeichnung am Schiffskörper auch zeigen durften: EMDEN, ILTIS und U 9.

Deutsche Kriegsschiffe - Kontinuität oder Brüche
Der Lebenslauf des Kleinen Kreuzers EMDEN der Kaiserlichen Marine braucht hier nicht beschrieben werden. Bemerkenswert ist das Echo, das diese Einsatzfahrt fast in der gesamten Welt hervorrief und bis heute nicht verklungen ist. Nach dem Ende der EMDEN am 9. November 1914 schickte Kaiser Wilhelm II. am 15. November das folgende Telegramm an den Magistrat der Stadt Emden: „Herzlichen Dank für das Beileidstelegramm anlässlich des betrübenden und doch so heldenhaften Endes meines Kreuzers EMDEN. Eine neue stärkere EMDEN wird entstehen, an deren Bug das Eiserne Kreuz angebracht werden soll als Erinnerung an den Ruhm der alten EMDEN.“

Neue EMDEN mit dem EK

Das Eiserne Kreuz war am 10. März 1813, zu Beginn der Freiheitskriege, vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. nach einem Entwurf von Schinkel gestiftet worden. Es war bewusst aus Eisen und damit ohne materiellen Wert hergestellt und konnte an jedermann verliehen werden, „dass der Soldat mit dem General ganz gleich ist“. Das Eiserne Kreuz mit seinen verschiedenen Stufen hatte sich im Freiheitskrieg und im Einigungskrieg 1870/71 zur bekanntesten deutschen Tapferkeitsauszeichnung entwickelt und war zu Beginn des Ersten Weltkrieges neu gestiftet worden.

Versenktes Eisernes Kreuz

Die EMDEN 1 konnte diese Auszeichnung nicht mehr tragen, aber das Nachfolgeschiff, der am 1. Februar 1916 als „Ersatz Nymphe“ vom Stapel gelaufene Kleine Kreuzer EMDEN 2, trug anstelle des Stadtwappens von Emden an beiden Bugseiten ein aus Metall gefertigtes Eisernes Kreuz in der Form seiner Stiftung von 1914. Da im Krieg grundsätzlich Bug- und Heckzier nicht geführt wurden, bedurfte es einer Sonderegelung. Diese Ausnahmegenehmigung sah ein aufgemaltes Eisernes Kreuz an beiden Seiten des Bugs vor. Zeitgenössische Bilder zeigen aber sehr wohl ein metallenes Kreuz. Außerdem wird berichtet, dass während der Internierung des Schiffes in Scapa Flow die Restbesatzung das Eiserne Kreuz abmontiert habe, um es den Engländern nicht in die Hände fallen zu lassen. Wegen Größe und Gewicht sei aber ein Verstecken nicht möglich gewesen; daraufhin seien die Kreuze an Ort und Stelle versenkt worden. Sie zu suchen, wäre eine schöne Aufgabe für die zahllosen Hobby-Tauchgruppen in Scapa Flow! Die Bestimmungen des Versailler Friedensvertrages ließen nur eine kleine und veraltete Marine zu.

Seiten

Weitere Themen aus dieser Rubrik

Deutsche U-Boote im Ersten Weltkrieg

Mit 28 einsatzfähigen Deutschen U-Booten fuhr die Kaiserliche Marine 1914 in den Krieg. Seeaufklärung war ihnen als Rolle zugedacht. Doch dann kam ihre große Stunde.... weiter