Deutsche Kriegsschiffe mit Tradition

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Trotzdem ging man tatkräftig an den Neuaufbau und bereits 1921 wurde der Kiel gestreckt für den ersten Neubau der Marine. Es handelte sich um einen nunmehr „Leichten Kreuzer“ als Ersatz für den veralteten Kleinen Kreuzer NIOBE. Am 7. Januar 1925 taufte die Witwe des inzwischen verstorbenen Kapitäns zur See a. D. von Müller den Neubau auf den Namen EMDEN. Vom Stapellauf an führte der Leichte Kreuzer EMDEN das Emder Stadtwappen mit Krone an Backbord und Steuerbord und am Bug das Eiserne Kreuz in seiner Verleihungsform von 1914, also mit entsprechender Jahreszahl und einem großen „W“ für Wilhelm II. Der Leichte Kreuzer EMDEN war von Beginn an als Ausbildungs- und Kadettenschiff konzipiert worden. Er hatte ein vergleichsweise langes Leben, das erst am 26. April 1945 durch seine Außerdienststellung endete. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Schiff verschrottet.

Deutsche Kriegsschiffe - Neue Zeiten für Tradition

Mit der Gründung der Bundesmarine, offiziell vollzogen durch die Flaggenhissung am 16. Januar 1956 bei der Wilhelmshavener Lehrkompanie, begann der Zulauf von Schiffen und Booten entweder durch Rückgabe ehemaliger Kriegsmarinefahrzeuge oder Kauf bei den neuen Verbündeten, aber auch in Form von Neubauten auf deutschen Werften. Wie sollten diese neuen Deutschen Kriegsschiffe nun heißen? Mit dem Stapellauf der ersten größeren Einheiten, der Geleitboote, verwendete man Städtenamen. Sie erhielten Namen der ehemaligen Kleinen Kreuzer der Kriegsmarine. KÖNIGSBERG und LEIPZIG entfielen, da diese Städte zum damaligen Zeitpunkt nicht auf dem Territorium der Bundesrepublik lagen, NÜRNBERG entfiel aus politischen Gründen, sodass sich als Traditionsnamen KÖLN, KARLSRUHE und EMDEN anboten.

Und so erhielt am 21. März 1959 das zweite Geleitboot der Klasse 55 den Namen EMDEN. Der erste Kommandant des Deutschen Kriegsschiffes EMDEN 4, der damalige Fregattenkapitän Kurt Diggins, berichtete später, dass auf seine eigene Initiative hin die Werft ein „Eisernes Kreuz“ angefertigt habe, das am Bug angebracht werden sollte. Er habe aber im letzten Augenblick „kalte Füße“ bekommen und sein Vorhaben dem damaligen Stellvertreter des Inspekteurs Marine, Admiral Schumann, gemeldet und dessen Erlaubnis erhalten mit der Auflage, das „Eiserne Kreuz“ nur mit Eichenlaub, aber ohne die Krone und das „W“ (für Wilhelm) zu zeigen. Diese Auflage habe bei den Werftarbeitern durchaus zu Unmut geführt! Das „unerwünschte“ Eiserne Kreuz sei also abgenommen, in der Bootslast verwahrt und das neue Modell wie angeordnet angebracht worden. Bei einem Manöver sei die Bugzier dann verloren gegangen und durch das „richtige“ Eiserne Kreuz stillschweigend ersetzt worden.

Mittlerweile sprechen die späteren Traditionserlasse der Bundeswehr dem Eisernen Kreuz besondere Bedeutung zu als nationales Erkennungszeichen und als Sinnbild für Tapferkeit, Freiheitsliebe und Ritterlichkeit. Es ist heute tatsächlich das allgemeine „Logo“ der Bundeswehr und wird in vielfältiger Weise öffentlich gezeigt. Von 1961 bis 1983 diente das Geleitboot, später umklassifiziert zur Fregatte, in der Bundesmarine, nahm an unzähligen Manövern teil, machte Auslandsreisen bis nach Südamerika, war Flaggschiff von NATOVerbänden, hatte Kollisionen und Werftliegezeiten, nahm an Paraden teil und repräsentierte die Bundesrepublik Deutschland im Ausland. 1983 wurde das Deutsche Kriegsschiff außer Dienst gestellt, an die Türkei übergeben und hat dort weitere Jahre treue Dienste geleistet.

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