Deutsche Kriegsschiffe mit Tradition

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Mit Beginn der 1980er-Jahre stellte man die Fregatten der KÖLN-Klasse, die früheren Geleitboote, nach und nach außer Dienst. Ersetzt wurden sie durch die Fregatten der Klasse F 122. Damit stellte sich auch für die Stadt Emden die Frage, ob es denn für „ihr“ Patenschiff einen Namensnachfolger geben würde. Frühzeitig wurde die Stadtverwaltung tätig. Am 1. April 1980 bemühte sich der damalige Oberbürgermeister Alberts mit Schreiben an den „Sehr verehrten Minister, lieber Hans!“(Apel) auf der Parteiebene um eine Weiterführung des Traditionsnamens „EMDEN“ auch nach der Außerdienststellung des derzeitigen Patenschiffes. Bereits am 2. Mai erhielt er eine positive Antwort vom damaligen Staatssekretär von Bülow. Am 17. Dezember 1980 lief der Neubau der Emder Nordseewerke vom Stapel und erhielt den Namen EMDEN – als fünftes Deutsches Kriegsschiff. Der scharf geschnittene Bug erlaubte das Anbringen des „Eisernen Kreuzes“ an alter Stelle nicht mehr, es wurde daher weithin sichtbar an der Vorderseite der Brücke angebracht. Seit seiner Indienststellung diente die Fregatte der Deutschen Marine in zahllosen Einsätzen.

Nachfolgeschiff nicht in Sicht

Ende 2013 wurde das Deutsche Kriegsschiff EMDEN außer Dienst gestellt. Ein Nachfolgeschiff gleichen Namens gibt es zurzeit nicht und auch die Übernahme der Tradition durch andere Einheiten und Organisationen, wie sie der gültige Erlass des Bundesministers der Verteidigung (FÜM I1-Az 35-08-07 vom 15. Oktober 1992 „Richtlinien für die Traditionspflege bei Umgliederung und Auflösung von Truppenteilen der Marine“) durchaus ermöglicht, ist nicht vorgesehen. Auch zur Behandlung von Traditionsstücken/ Traditionsgegenständen – zu denen sicherlich das Eiserne Kreuz der EMDEN gehört – ist per Erlass geregelt: „Die Übergabe (…) an Stellen außerhalb der Bundeswehr ist grundsätzlich untersagt.“ An anderer Stelle wird festgelegt, wohin solche Gegenstände zu gehen haben: Sie „sind dem Wehrgeschichtlichen Ausbildungszentrum (WGAZ) der Marineschule Mürwik bzw. dem Wehrgeschichtlichen Museum (WGM) in Rastatt, dem Militärhistorischen Museum in Dresden oder dem Bundesarchiv/Militärarchiv in Freiburg (in dieser Reihenfolge) anzubieten“.

EK nach Australien

Mittlerweile hat sich bestätigt, dass das Eiserne Kreuz der EMDEN an ein Museum der Australischen Marine in Canberra verschenkt worden ist. Sicherlich ein durchaus honoriger Ort, doch ein Traditionsgegenstand wie dieses Eiserne Kreuz gehört wohl eher aufgrund seiner historischen Bedeutung, seines offensichtlichen speziellen Gewichtes in der Traditionspflege der deutschen Marine und nach seiner übergeordneten Bedeutung als das Erkennungszeichen der Bundeswehr schlechthin an einen Ort der deutschen Öffentlichkeit. Auch den beiden anderen „Ordensträgern“ in der Deutschen Marine der vergangenen Jahre ist der Orden „abhanden“ gekommen.

Das Kanonenboot S.M.S. ILTIS war während des chinesischen Boxeraufstandes am 17. Juni 1900 bei den Taku-Forts im Peiho- Fluss in ein schweres Gefecht geraten und hatte ziemlich beschädigt mit Mühe seinen Untergang abwenden können. Sein Kommandant, Korvettenkapitän Wilhelm von Lans, wurde mit dem Pour le Mérite ebenso wie das Deutsche Kriegsschiff selbst ausgezeichnet. Mit Allgemeiner Kabinett Ordre (AKO) vom 27. Januar 1903 durfte es an der Gösch eine Nachbildung dieses höchsten preußischen Ordens führen. Zwei Datumszeilen sind am unteren Rand eingefügt: einmal der Tag des Unterganges des Vorgängerbootes S.M.S. ILTIS am 28. August 1896 im Taifun vor der chinesischen Küste und der Tag des Gefechtes gegen die Taku-Forts.

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