Deutsche U-Boote im Ersten Weltkrieg

Mit 28 einsatzfähigen Deutschen U-Booten fuhr die Kaiserliche Marine 1914 in den Krieg. Seeaufklärung war ihnen als Rolle zugedacht. Doch dann kam ihre große Stunde. Als Jäger feindlicher Handels- und Kriegsschiffe sorgten sie für großen Jubel auf der einen sowie Angst und Schrecken auf der anderen Seite.
GROßE ZUKUNFT: Petroleumboot U 9 im Hafen von Swinemünde im Jahr 1913. Das Boot wird das berühmteste der U-Bootwaffe werden. (Foto: Sammlung Jörg-M. Hormann) © picture-alliance
Entwicklung und Einsatz des U-Bootes als militärische Waffe begannen in allen Marinen um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert. Da die Kaiserliche Marine den Bau einer Hochseeflotte mit Linienschiffen und Schlachtkreuzern favoritisierte, waren U-Boote erst sehr spät in das Blickfeld des Reichsmarineamtes gerückt. Vorab sollten die Erfahrungen der europäischen Seemächte, besonders die der Franzosen, mit dem neuen Fahrzeugtyp beobachtet und ausgewertet werden. Und so kam es, dass erst am 14. Dezember 1906 das erste deutsche U-Boot als U 1 von der kaiserlichen Marine in Dienst gestellt wurde. Selbst innerhalb der Kaiserlichen Marine – und erst recht außerhalb derselben – gab es zu jener Zeit reichlich Stimmen in entscheidenden Positionen, die vom militärischen Wert des U-Boots keineswegs überzeugt waren und die auch nicht so viel Phantasie besaßen, um die künftige Bedeutung der Waffe vorausschauend zu erahnen. Kommandanten wie Otto Weddigen, der bald ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit rücken sollte, waren im besten Sinne des Wortes Kämpfer schon im Frieden, verbissene Streiter für ihre Idee, Männer, die Leistungen erzielen mussten, wenn sie andere überzeugen wollten. Es war ein harter und gefahrvoller Dienst, das U-Boot mit seinem komplizierten Mechanismus technisch, seemännisch und militärisch zu beherrschen und Besatzungen heranzubilden, die in jedem Augenblick das Rechte taten, um allen Situationen gewachsen zu sein. Otto Weddigen galt als einer der besten.

Deutsche U-Boote: Beste Schießergebnisse

Diesen Ruf erhärtete er im Mai 1913 durch sensationelle Schießresultate. U 9 war die Aufgabe gestellt worden, die in Verbandsformation dampfende Hochseeflotte mit Übungstorpedos unbemerkt anzugreifen. Es gelang ihm, auf nicht weniger als drei Schiffen „Treffer“ anzubringen. Ein solches Ergebnis war seit Bestehen der U-Bootflottille noch nicht dagewesen. Unverdrossen wurde weitergearbeitet. Und die U-Bootleute schafften es. Sie brachten es zuwege, dass sich in den maßgebenden Stellen zunehmend die Erkenntnis durchsetzte, dass die neue Waffe möglicherweise zu einem beachtlichen Faktor im Seekrieg werden könnte. Die gesammelten Erfahrungen wurden ausgewertet, der Erfindergeist mächtig angeregt, größere und verbesserte Boote wurden gebaut, und als 1914 der Krieg ausbrach, war U 9 schon lange nicht mehr das modernste und leistungsfähigste Unterseeboot. Niemand bedauerte diese Tatsache mehr als Weddigen, aber vorerst musste er sich damit abfinden, dass die modernen, leichter zu handhabenden Boote jüngeren, weniger erfahrenen Kommandanten anvertraut wurden. Die Vorstellungen der Einsatzrolle von deutschen U-Booten dokumentiert einer ihrer ersten Einsätze.

Wenige Tage nach Kriegsausbruch wurde die I. U-Flottille, bestehend aus zehn Booten, geschlossen gegen die Grand Fleet vom 6. bis 11. August 1914 vorgeschickt. Die Marineführung wusste nicht, wo die englische Flotte in der Nordsee operierte. Wo ist die englische Flotte? Aus einer Standlinie weit westlich von Helgoland heraus begannen die deutschen U-Boote mit einem Abstand von sieben Seemeilen (rund 13 Kilometern) eine 120 Kilometer breite Überwasserstreife nach Norden hin abzusuchen. Die mehrtägige Unternehmung, die planmäßig bis zur Linie Utsire–Orkneys und zurück durchgeführt wurde, blieb jedoch ein Stoß ins Leere, da das feindliche Gros nicht angetroffen wurde. „U 15“, das westliche Flügelboot des Aufklärungsstreifens, traf am 9. August bei schlechtem Wetter auf feindliche leichte Streitkräfte. Erst nach dem Krieg kam die Bestätigung, dass der Kleine Kreuzer „Birmingham“ das U-Boot durch Rammstoß vernichtet hatte.

Die HMS „Birmingham“ gehörte zur weit vorgeschobenen Marschsicherung des dort tatsächlich kreuzenden englischen Gros. Man war also nicht allzu weit voneinander entfernt aneinander vorbeigelaufen. Als wichtig für eine Einsatztaktik der U-Boote stellte sich für die deutsche Seite die neue Erfahrung heraus, dass U-Boote imstande waren, weitab von ihren Stützpunkten, in tagelangen Unternehmungen, die feindlichen Gewässer unsicher zu machen. Dieses Beweises bedurfte es, denn niemals in Friedenszeiten waren ähnliche Anforderungen an Mensch und Material gestellt worden. Hätte die deutsche Führung darüber hinaus davon Kenntnis erhalten, dass das Erscheinen deutscher U-Boote so hoch im Norden die britische Admiralität bewog, ihre Schlachtgeschwader aus den schottischen Osthäfen nach Scapa Flow auf den Orkneys und sogar an die Westküste zu verlegen, so hätte sie bedeutsame strategische Folgerungen bezüglich des Einsatzes der Hochseeflotte ziehen können.

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