Deutsche U-Boote im Ersten Weltkrieg

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Allerding war das Nachrichtenwesen noch nicht so weit ausgebaut, um über den Verbleib der englischen Flotte zu unterrichten. Die Nordsee mit einem Masseneinsatz von U-Booten einfach streifenweise zu durchkämmen, wurde nicht wiederholt, obwohl schon der erste Einsatz dieser Art nur knapp das Ziel der Aufklärung der englischen Flotte verfehlte. Die Führung neigte jetzt dazu, gewisse, dem U-Boot anhaftende Nachteile, wie dem durch die niedrige Augenhöhe bedingten engen Gesichtskreis und die zu geringe Geschwindigkeit, stärker in die Überlegungen eingehen zu lassen. Und so gelangte man zu der Auffassung, das Plus der U-Bootoperation in der stärker individuellen Bewegungsfreiheit zu sehen. In der Konsequenz forderte das den Einzeleinsatz der deutschen U-Boote als Erfolgsmöglichkeit. Noch während die I. U-Flottille unterwegs war, wurde bekannt, dass die Überführung eines englischen Expeditionskorps nach belgischen und französischen Häfen im Gang war. Auf dem Festland brauchten die Alliierten Unterstützung gegen die vorwärtsdringende deutsche Armee. Der Führer der U-Boote, Hermann Bauer, gab die Anweisung, U-Boote von Helgoland aus einzusetzen, um die Truppentransporte zu stören.

Von Helgoland in See

In Ausführung des erhaltenen Befehls ging U 9 unter dem Kommando von Kapitänleutnant Otto Weddigen von Helgoland aus in See. Infolge schwerer Dünung und daraus resultierender heftiger Bewegungen traten Kompassstörungen auf, die das Navigieren unsicher machten. Zwei Tage und eine Nacht hatte sich U 9 mühsam durch Sturm und widrige See hindurchgekämpft. Den Männern der Besatzung war nichts erspart geblieben. Zum Schutz der Truppentransporte waren von der britischen Admiralität die Schiffe der Southern Force zusammengezogen worden, zu der u. a. das VII. Kreuzergeschwader gehörte, das aus fünf älteren Panzerkreuzern – EURYALUS, BACHANTE, ABOUKIR, CRESSY und HOGUE – bestand und von Admiral Christian geführt wurde. Auch sie hatten den Sturm der letzten Tage über sich ergehen lassen müssen, der die begleitenden Zerstörer in die Häfen zurückgetrieben hatte. Drei Panzerkreuzer, die ABOUKIR, HOGUE und CRESSY, befanden sich am 22. September 1914 auf Position.

Nationale Katastrophe

Als der Morgen des 22. September heraufdämmerte und die ersten Sonnenstrahlen über die Wasserfläche huschten, ahnte niemand auf den englischen Schiffen, welch furchtbare Katastrophe ihnen bevorstand. Kein Anzeichen sprach dafür, es war sichtig, die Luft klar, der Horizont rein und vom Feind nichts zu sehen. Und U-Boote? Seit vor 14 Tagen ein deutsches U-Boot vor dem Firth of Forth den Kreuzer PATHFINDER durch Torpedoschuss versenkt hatte, war mit dem Auftreten von Unterseebooten zwar überall zu rechnen … aber heute? Völlig ausgeschlossen! Wie hätten sie denn bei dem tagelangen Unwetter bis in diese Gegend gelangen können, wenn schon die weit größeren Zerstörer umkehren hatten müssen? Blieb noch die Minengefahr übrig – jawohl, Minen konnten deutsche Oberwasserstreitkräfte nachts unbemerkt geworfen haben, aber kaum hier unter der holländischen Küste. Solcher Art mochten die Überlegungen auf englischer Seite wahrscheinlich gewesen sein.

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