Deutsche U-Boote im Ersten Weltkrieg

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Um 5:45 Uhr bei Sonnenaufgang taucht U 9 auf. Der Wind hat bis auf Stärke 3 abgeflaut. Da der Wind den Petroleumqualm der Motoren vor dem Boot hertreibt und dadurch die Sicht nach Süden verdeckt wird, lässt Wachoffizier Oberleutnant Spieß Zickzack fahren, was sich als sehr nützliche Maßnahme erweist, denn es dauert nicht lange als in südlicher Richtung, mit dem Glas gut erkennbar, eine Stenge über der Kimm zum Vorschein kommt, die wenig später als Mastspitze eines Kriegsschiffes ausgemacht wird. Augenblicklich erscheint der gerufene Kommandant auf dem Turm. Weddigen gibt sofort Tauchbefehl und fährt in Sehrohrtiefe den drei Kriegsschiffen entgegen, die in breiter Dwarslinie auf U 9 zulaufen. Der mittlere der drei Kreuzer soll das erste Opfer sein. Nach dem ersten Torpedotreffer auf der ABOUKIR kentert der Kreuzer in wenigen Minuten.

Fataler Fehler der Briten

Jetzt machen die Engländer einen fatalen Fehler: Anstatt mit Höchstfahrt zackend davonzudampfen, beginnen die beiden Flügelkreuzer mit geringer Fahrt an das getroffene Schiff heranzuschließen, um für den Fall des Sinkens die Besatzung zu retten. Man glaubt an eine Minenexplosion. Die Anwesenheit eines U-Boots ist den Kreuzerbesatzungen vollkommen verborgen geblieben. Beim Doppelschuss auf HOGUE liegt der Kreuzer fast still nach dem Aussetzen seiner Boote, um die Männer der kenternden ABOUKIR zu retten. Auch CRESSY wird so torpediert und versenkt. Ohne aufzutauchen, verlässt Weddigen den Schauplatz des Grauens, wo Hunderte englische Seeleute um ihr Leben kämpfen. 1460 Offiziere und Mannschaften ertranken in der Nordsee oder wurden von Schiffstrümmern erschlagen. Den Verlust der veralteten Panzerkreuzer konnte die Royal Navy zur Not verschmerzen, der Verlust der Menschenleben, vorwiegend Reservepersonal mit starkem Familienanhang, brachte Trauer über ganz England.

Nach Prisenordnung

Schlagartig offenbarte die neue Seekriegswaffe U-Boot ihr Potenzial. Der erfolgreiche Angriff des getauchten Einzelfahrers auf ahnungslose Gegnerschiffe war das taktische Konzept des deutschen Admiralstabs, das sich zur Strategie des U-Bootkrieges als vermeintlicher Brechung der englischen Seeblockade und beim Handelskrieg entwickeln wird. Stand der Angriff auf feindliche Kriegsschiffe im Kriegsfall außerhalb einer Diskussion, ob rechtmäßig oder nicht, so sah das für Handelsschiffe anders aus. Für Kriegsschiffe galt: Wer eindeutig aufklärt, als Erster schießt und den Gegner versenkt, hat den Erfolg. Dafür brauchte ein U-Boot keinen Überwasserangriff zu fahren. Das Torpedieren eines Kriegsschiffes aus der Lauerstellung unter Wasser entsprach internationalen Gepflogenheiten des Kriegsrechtes; hier kämpften Soldaten auf „Staatsschiffen“ gegeneinander. Ganz anders stellte sich die Situation dar, wenn im Krieg zivile Handelsschiffe von U-Booten aufgebracht wurden. Dann galt auch im Kriegsfall die Prisenordnung: anhalten, durchsuchen und gegebenenfalls versenken. Diese angewandte Taktik im Handelskrieg U-Boot gegen Frachtschiff ließ sich nur im Überwasserangriff und in erster Linie artilleristisch geführt umsetzen. Handelsseekrieg nach Prisenordnung erwies sich für die deutschen U-Boote als äußerst schwierig und zunehmend gefährlich.

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