Deutsche U-Boote im Ersten Weltkrieg

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Einmal abgesehen von den Zeitfaktoren, wenn die Kommandos übersetzten mussten, hatten die U-Boote mit damals rund 30 Mann Besatzung keine besonderen Prisenkommandos an Bord. Dort wurde jeder Mann in seiner Funktion gebraucht. Beiboote zum Übersetzen gab es auch nicht. Dem angehaltenen Dampfer wurde mit bemannter und drohender Kanone signalisiert: „Bringen Sie Ihre Papiere an Bord.“ Schon an der Art, wie Führung und Mannschaft des aufgebrachten Frachters reagierten, war absehbar, wie es weitergeht. Wurde nur ein Boot zu Wasser gelassen, das zum U-Boot ruderte, war Misstrauen angebracht. Ging die ganze Besatzung in Panik gleich in die Boote, war die Sache sowieso klar.

Einsatz von U-Bootfallen gegen deutsche U-Boote

Die Aufbringung nach Prisenordnung wurde unberechenbar, nachdem die Engländer U-Bootfallen einsetzten: bewaffnete, mit Navy Personal besetzte Handelsschiffe, die im Operationsgebiet der U-Boote kreuzten und darauf warteten, dass ein U-Boot auftauchte, um der Prisenordnung zu entsprechen. Nicht immer verliefen die darauffolgenden Gefechte für die U-Bootfalle positiv und einige wurden auch dann vom wieder getauchten U-Boot torpediert. Doch es gab auch reichlich U-Bootverluste, die U-Bootfallen als Ursache hatten. Weddigens Erfolg und die Probleme beim U-Bootkrieg nach Prisenordnung führten zur Forderung der Admiralität nach dem „uneingeschränkten U-Bootkrieg“, die im politischen Entscheidungsbereich auf wenig Gegenliebe stieß. Man wollte sich die Gewogenheit der neutralen Staaten, allen voran der USA, erhalten. Außerdem war der Handelskrieg nach Prisenordnung bemerkenswert erfolgreich.

Hohe Versenkungsziffern

Vom Oktober 1916 bis Januar 1917 ergab sich ein Monatsdurchschnitt der Versenkungserfolge von etwa 190 Handelsschiffen mit rund 325 000 Bruttoregistertonnen (BRT). Nach Prisenordnung erzielte Kapitänleutnant Lothar von Arnauld de la Perière, der erfolgreichste U-Bootkommandant der Seekriegsgeschichte, seine Versenkungserfolge. Mit seinem in Pola stationierten U 35 unternimmt er im Mittelmeer 14 Feindfahrten und versenkt 193 Handelsschiffe mit 457 179 BRT. Wohlbemerkt in der Masse nach Prisenordnung, also im Überwasserangriff. Letztendlich muss Reichskanzler von Bethmann Hollweg seine politische Linie aufgeben, und es geschieht das, was er auf jeden Fall verhindern will. In der Folge der Torpedierung des Cunard-Liners LUSITANIA am 7. Mai 1915 durch U 20, bei der eine größere Anzahl amerikanischer Staatsbürger ums Leben kommt, wird Stimmung für den amerikanischen Kriegseintritt gemacht. Als Konsequenz, um die Wogen zu glätten, wird der U-Bootkrieg wieder nach Prisenordnung geführt. Angesichts der prekären Versorgungslage erklärte die Admiralität, England werde bei einer Wiederaufnahme des uneingeschränkten U-Bootkriegs in sechs Monaten kapitulieren. Zusätzlich sieht die Oberste Heeresleitung in der Kriegsmaßnahme eine Chance, den festgefahrenen und nicht gewinnbaren Landkrieg zu einem siegreichen Kriegsende zu wenden. Daraufhin wurde der unein - geschränkte U-Bootkrieg mit Torpedierung ohne Vorwarnung am 1. Februar 1917 wieder aufgenommen, was zur amerikanischen Kriegserklärung vom 6. April 1917 führte.

Fazit

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges verfügte die kaiserliche Marine über 28 einsatzfähige deutsche U-Boote. Im Laufe der Kriegsjahre wurden daraus 374 Boote, die in 52 Kriegsmonaten 3274 Feindfahrten unternahmen. 178 deutsch U-Boote versenkte der Gegner. Für 5249 U-Bootmänner bedeutete das den Tod. Fast die Hälfte der kämpfenden U-Bootbesatzungen mit einer Kopfstärke von rund 12 500 Mann ließ beim Einsatz ihrer Waffengattung das Leben. Letztlich erfüllten sich die Erwartungen in Deutschland auf die kriegsentscheidende Wirkung des U-Bootes nicht. Fehleinschätzungen über die Anzahl der alliierten Handelsschiffe und mangelnde wirtschaftliche Kraft auf deutscher Seite, den U-Bootbestand durch Neubauten entscheidend zu erhöhen, sind mit Ursachen des Scheiterns. Auf der Erfolgsseite standen 6394 versenkte Handelsschiffe mit einer Tonnage von 11 948 792 Bruttoregistertonnen und 100 Kriegsschiffe.

TEXT: Jörg-M. Hormann

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